www.oliver-theobald.de
 
 

Geschichten

Chaotische Neuordnung

Der Pfarrer schlug drei Kreuze und schrie Gott ein dankendes "Hallelujah" entgegen. Dieser wusch sich die Speicheltropfen aus dem Gesicht und verpasste dem Pfarrer einen Tritt in den Hintern. Wie kann man auch den Schlaf des Allmächtigen stören, dachte Rosa, verdrehte die Augen und warf sie schließlich wieder in die Zeitung, um Nachrichten aus der Welt von gestern zu studieren.

Bei der zweiten Nachricht blieb sie hängen. Wirklich? Nein, ungeheuerlich. So was darf doch nicht sein! Die Zeitung zusammenknüllend stand sie auf und stampfte ärgerlich weg von ihrem liebgewonnenen Leseplatz unter der alten Linde. Der aufregende Artikel allerdings entwischte Rosa und blieb wie gewohnt im Schutz der Blätter liegen. "Nacht verschwunden - Tag zur alleinigen Zeit erklärt" war die Überschrift.

Strukturen sind im Sinne eines Lebewesens etwas sehr Notwendiges. Strukturen spielen eine Ordnung des Chaos vor, man kann sich an Ihnen festhalten. Strukturen lassen sich verändern, auslöschen und neu erschaffen. Strukturen können einem Leben einen Sinn geben oder nehmen. Strukturen beeinflussen die von Ihr geordneten Elemente. Dass eine Änderung der Struktur für die Elemente an sich zuallererst Chaos bedeutet, obwohl aus Sicht des Betrachters nur eine Neuordnung stattfindet, dürfte wohl nicht zu bestreiten sein.

Allerdings muss an dieser Stelle gesagt werden, dass diese Definition nur auf Nicht-Lebewesen zutrifft. Für Lebewesen muss die Definition noch erweitert werden, denn diese agieren auch innerhalb Ihrer Struktur und beeinflussen Sie und die anderen Elemente innerhalb derselben. Dabei kann es schon einmal vorkommen, dass ein Lebewesen eine derartige Beeinflussung ausübt - ob wissentlich, willentlich oder jeweils nicht sei dahin gestellt - dass eine Neuordnung der Struktur stattfindet. Mit anderen Worten, um wieder vom erhobenen Beobachterplatz in die Struktur zurückzukehren, das Chaos bricht aus. Natürlich kann das Chaos durchaus auch als Struktur gesehen werden, aber darauf soll an anderer Stelle eingegangen werden.

Da ich an dieser Stelle eine Geschichte erzählen möchte, und Geschichten allgemein einer Struktur folgen und bedürfen, erschaffen wir uns also unsere eigene.
Ja, so vermessen bin ich, zu glauben, dass sich jeder seine eigene Struktur schaffen sollte, ganz nach seinen Bedürfnissen.
Da wäre also Rosa, wie sie den Pfarrer verflucht, eine nicht gerade höfliche Sache, aber immerhin ein Anfang. Kläusel dagegen beobachtet gerne, auch wenn er sonst nicht viel erzählt, aber was er dabei für Beobachtungen macht, da würde sogar der Blätterwald aufhören zu rauschen, obwohl der bekanntlich eher dazu neigt sich anderen, am liebsten aber allen, über diverse Wahrhaftigkeiten, wenn man diese denn noch als solche erkennt, mitzuteilen. Mein Selbst müßte nun auch dazwischen stehen, oder doch darunter? Tja, da haben wir wohl nicht genug Platz frei gelassen auf dem Papier, weshalb mein Selbst, der alte Schlawiner, jetzt darüber steht. Über dem Kater, der ollen Tante, den Blätterteigstückchen und dem Bürgermeister. Obwohl Letzterer doch schon ein hohes Tier ist. Wo wir vorerst schon beim Schluss angelangt sind, und ich mich auch einfügen darf in dieses Geflecht von Verbindungen und Spaghettiknoten, nur diese Stelle wo, wird noch nicht verraten.

Ach, falls Sie nun ein wenig verwirrt sind, so scheint das darauf hinzudeuten, dass Ihnen diese Neuordnung wie ein Chaos vorkommt. Willkommen, denn dann sind Sie mittendrin in dieser Struktur, versunken in dieser Geschichte von Tag und Nacht.

 
 




 

Bist Du auch GI-Mitglied ?





Anzeigen
 
Blog Kontakt Impressum Sitemap Startseite