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Tag und Nacht

Seit der Tag die Nacht verbannt',
im Glauben sie wär' fort,
versteckt die Nacht sich, Tag für Tag,
an einem andern Ort.

Ganz leise, still und heimlich
hält sie sich dort auf,
zu warten, wie das Licht des Tags
nimmt den gewohnten Lauf.

Und senkt die Sonne sich gen West,
der Tag, er geht zur Ruh.
Mit ihm die Erde schlafen geht,
das tut sie immerzu.

Da nun die Bühne endlich frei,
ergreift die Nacht das Wort.
Allmählich breitet sie sich aus,
heraus aus ihrem Hort.

Die Erde zu erleuchten,
ist nicht der Sinn der Nacht.
Auch neues Leben zu entfachen,
steht nicht in ihrer Macht.

Ein Mann der von der Nacht erzählt',
beschrieb sie schwarz und kalt.
Doch darf dies sein, ist es denn wahr,
was aus den Blättern schallt?

In ihrem Dunkel merkt man erst,
wie warm ein Licht sein kann.
Mit ihrem Zauber schafft sie es,
zerbricht des Tages Bann.

Den Himmel zeigt sie uns auf Erden,
den Mond mal halb, mal voll,
die Sterne glitzern ständig neu,
als wär'n sie liebestoll.

Kaum hat die Nacht den Tanz geführt,
zieht sie sich auch zurück,
macht Platz für einen neuen Tag,
schön langsam, Stück für Stück.

So geht das Spiel von Tag und Nacht
Am himmlischen Gewand,
und war schon immer so gescheh'n,
seit der Tag die Nacht verbannt'.

Du fragst, was vor der Zeit passierte?
Das weiß kein Mensch der Welt.
Frag Tag und Nacht und hör gut zu.
Vielleicht man's Dir erzählt.

© 2002 by Oliver Theobald

 
 




 

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